Seit dem Jahr 2000 wurden in Deutschland 611 katholische Kirchen profanisiert, geschlossen, verkauft und weltlich genutzt. 2024 Verliesen 231.000 Menschen die katholische und 345.000 die evangelische Kirche. Wie verändert sich eine Gesellschaft, wenn das Land seinen Glauben verliert?
„Das Christentum steht für Empathie, Demut und Gelassenheit“
Glaube bedeutet nicht nur Gottesdienstbesuch am Sonntagvormittag sondern hat eine gesinnungsprägende und verhaltenssteuernde Wirkung. Der Glaube stärkt solidarische Ressourcen. Religiös gebundene Menschen spenden für wohltätige Zwecke mehr (71%) als konfessionslose (59%) und sie engagieren sich auch ehrenamtlich stärker (31%) als andere (17%). Es gibt namhafte Stimmen (Andreas Püttmann u.a.), die befürchten, dass wir „in einen Staatsinfarkt laufen, wenn das professionelle und ehrenamtliche Engagement der Kirchen wegbricht . . . das soziale Klima wird dann kälter, rauer und härter.“
Unser Grundgesetz basiert an zentralen Stellen auf christlichen Vorstellungen
Die Entchristlichung wirkt sich auch auf die Statik unserer Demokratie aus, denn unser Grundgesetz basiert in wichtigen Punkten auf christlichen Vorstellungen. Die Würde des Menschen auf seiner Gottebenbildlichkeit und der Sozialstaat auf der Nächstenliebe. Der Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde schrieb 1964: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garanatieren kann“.
Gregor Gysi sagte Jahrzehnte später und meinte damit etwas Ähnliches „Als Nichtgläubiger fürchte ich eine gottlose Gesellschaft.“