In einer demokratischen Gesellschaft entscheidet das Volk über sein eigenes Schicksal. Im Zweifel entscheiden die Interessen der Mehrheit.
Cancel-Culture schadet der Demokratie, weil sie die Meinungsbildung behindert. Sie wacht wie eine Sprachpolizei darüber, ob sich jemand korrekt verhält. Tut jemand das nicht, folgt ein Shitstorm. Im schlimmsten Fall werden Leute, die etwas angeblich Falsches sagen, entlassen.
Ohne einander widersprechende Meinungen gibt es keine demokratische Gesellschaft. Deshalb muss der Staat die freie Meinungsbildung ermöglichen. Bei uns passiert im Augenblick genau das Gegenteil. Unter dem Vorwand, die Demokratie zu verteidigen, wird in Deutschland und in ganz Europa die Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt. In welchem Ausmaß Meinungsäußerungen unterdrückt werden, zeigen die
Sanktionen des EU-Ministerrates gegen Einzelpersonen. Ohne rechtliches Gehör und ohne Gerichtsverfahren werden Menschen wie im Mittelalter für vogelfrei erklärt. Ihre Vermögenswerte werden eingefroren, Konten gesperrt, ihre Reisefreiheit wird eingeschränkt und niemand darf ihnen mehr Geld und wirtschaftliche Vorteile verschaffen.
Ähnliches haben wir schon in der Corona-Zeit erlebt. So als gäbe es kein Grundgesetz, wurden Grundrechte der Bürger außer Kraft gesetzt. Ohne überzeugende wissenschaftliche Begründung wurden Kontaktverbote ausgesprochen, die Versammlungs- und Reisefreiheit eingeschränkt und die Menschen zur Impfung genötigt. Die Leute durften nicht einmal ihre sterbenden engsten Verwandten besuchen – eine unglaubliche Grausamkeit. Auch die deutsche Justiz hat hier versagt und viel Vertrauen verloren.
In der Cancel-Culture-Gesellschaft kommt auch die Denunziation wieder in Mode. Um aufmüpfige Bürger zu disziplinieren, werden Denunziationsportale eingerichtet und ein neuer Paragraf 188 StGB eingeführt, nach dem, wie früher, Majestätsbeleidigung, heute Beleidigung von Politikern, unter Strafe gestellt wird. Spitzenreiter der beleidigten Politiker ist Friedrich Merz mit fast 5000 Strafanträgen.
Ausgrenzung anderer bis zur Vernichtung ihrer Existenz waren Merkmale des Faschismus.
Als der Journalist Henryk M. Broder einmal gefragt wurde, warum die Deutschen das Aufkommen des Nationalsozialismus nicht verhindert hätten, antwortete er: „Weil sie damals so waren, wie sie heute sind“.
Mir scheint, eine neue Art des Faschismus ist – auf leisen Sohlen – im Anmarsch. Demokratie beruht auf Toleranz und Freiheit. Freiheit aber meint immer auch die Freiheit der Andersdenkenden.