Die Moralisten, denen wir täglich begegnen sind selten moralisch. Sie reden von Moral, aber sie meinen nur sich selbst. Sie wollen nicht diskutieren sondern sich als „moralisch“ inszenieren. Sie sind die Totengräber der Moral.

Echte Moral vollzieht sich im Stillen und beschreibt den Versuch – im Bewußtsein der eigenen Fehlbarkeit – ein anständiger Mensch zu sein. Der moralische Mensch kämpft für das Gute, auch wenn er dabei schlecht aussieht. Moral ist keine „Kopfgeburt“ sondern bewährt sich in der Realität, im Praktischen.

Der Moralismus hingegen ist laut. Der Moralist will nicht Gutes tun, er will nur gut scheinen. Den klassischen Gutmenschen geht es nicht darum, Probleme zu lösen – Klima, Zuwanderung, Wirtschaft, Energie, – sondern um die eigene Heiligsprechung. Wer anderer Meinung ist, gilt nicht nur als politischer Gegner sondern ist ein „schlechter Mensch“ und mit schlechten Menschen braucht man nicht diskutieren sondern man darf, ja man muss sie ausgrenzen und mundtot machen.

Moralismus ist der Feind der Demokratie. Für den Moralisten gibt es nur eine Wahrheit, nämlich seine eigene. Demokratie aber heißt, dass keiner die Wahrheit besitzt. Man muss die Wahrheit suchen, gemeinsam, im offenen Gespräch.